Marvin Rabe

Was macht ein gutes Tarp aus?

In den letzten Wochen habe ich diverse Tarps ausprobiert. Doch die meisten habe ich direkt wieder zurückgeschickt. Was macht denn ein gutes Tarp für mich aus?

Ein Tarp muss für mich folgendes erfüllen: Es muss wasserdicht sein (mindestens 3.000 mm Wassersäule), genügend Abspannpunkte besitzen (mindestens 5 pro Seite), groß genug sein (quadratisch 3x3m für 1-3 Personen) und möglichst aus einem leichten Material bestehen (ca. 500g). Da ich wild zelte, sollte die Farbe neutral sein.

Damit du es einfacher hast, habe ich meine Erfahrungen hier gesammelt.

Wann ist ein Tarp wasserdicht?

Es gibt nichts Schlimmeres als ein undichtes Tarp. Niemand möchte mitten in der Nacht aufwachen und feststellen, dass sämtliche Sachen nass sind.

Um die Wasserdichtigkeit von Materialien einschätzen zu können geben viele Hersteller einen Wassersäule-Wert an. Die Wassersäule gibt an wie viel Druck an Wasser das Material aushält, bevor Wasser durch das Material kommt.

Ab einer Wassersäule von 1.500 mm gelten Textilien in Deutschland als wasserdicht.

Allerdings sollte ein Tarp wesentlich mehr aushalten können. Bei starkem Regen kann es durchaus vorkommen, dass das Tarp nicht mehr völlig straff gespannt es. Es bilden sich kleine Pfützen und der Wind drückt das Wasser stärker gegen das Tarp. Somit ergibt sich die Empfehlung das Zeltplanen und Tarps mindestens eine Wassersäule von 3.000 mm haben sollten.

Aber selbst wenn ein Hersteller diese Angabe macht, ist es wichtig, das Tarp vor einer längeren Wandertour mindestens eine Nacht bei starkem Regen auszuprobieren.

Nur so kannst du dir sicher sein, dass das Tarp auch wirklich das hält, was es verspricht.

Quadratisch oder Rechteckig?

Wenn man sich verschiedene Aufbauanleitungen ansieht, stellt man fest, dass ein quadratische viel mehr Möglichkeiten bietet als ein Rechteckiges. Du solltest daher ein möglichst quadratisches Tarp nehmen.

Am häufigsten gibt es rechteckige Tarps als kleine Solo Tarps. Da hat man dann leider dann keine andere Wahl mehr.

Es gibt auch noch viele andere Sonderformen (Hex, …) aber diese sind sehr speziell. Ich weiß selbst noch nicht wofür diese gedacht sind.

Empfohlene Größen

Bei Tarps gibt es viele verschiedenen Größen. Die Wahl der Größe hängt davon ab wie viele Personen unter dem Tarp passen sollen und wie viel Komfort du haben willst.

2,5x1,5 Meter: Das Solo-Tarp Diese Tarps sind rechteckig und meist sehr klein. Hier passt auch wirklich nur eine Person drunter. Bei schlechtem Wetter hat man nicht genügend Material um das Tarp komfortable aufbauen zu können. Dafür spart man aber einiges an Gewicht. Oftmals gibt es diese Tarps auch als Poncho.

3x3 Meter: Quadrat-Tarp Mit diesem Tarp kannst du eigentlich am meisten machen. Es bietet je nach Aufbau genügend Platz für 1-3 Personen. Selbst wenn man alleine Unterwegs ist, kann man sich bei sehr schlechtem Wetter noch einen gemütlichen Unterschlupf bauen.

Größere Tarps lohnen sich für Wanderungen eher nicht. Die zusätzliche Größe bringt meistens nur wenig zusätzlichen Platz für weitere Personen. Dafür sind diese dann doch wesentlich schwerer. Es ist womöglich bei 4 und mehr Personen sinnvoller ein zweites Tarp mitzunehmen. Es ist oftmals auch schwierig einen Platz für so große Tarps zu finden. Selbst mit 3x3 Metern ist es manchmal kniffelig.

Wie viele Abspannpunkte muss es haben?

Für mich sollte ein Tarp mindestens diese dargestellten Abspannpunkte haben, damit es vielseitig einsetzbar ist.

Es gibt viele Tarps, aber es gibt nur wenige mit vielen Abspannpunkten. Oftmals findet man nur Tarps die 3 Abspannpunkte pro Seite haben. Sprich an jeder Ecke und dann einmal pro Seite noch in der Mitte.

Damit ist man - was das Aufbauen angeht - sehr eingeschränkt. Damit lassen sich meist nur Schrägdächer und A-Frame Aufbauten realisieren.

Ich bin daher der Meinung, dass man pro Seite mindestens 5 Abspannpunkte haben sollte und wenn möglich noch 3 Abspannpunkte auf der Plane direkt. Mit solch einem Tarp bist du dann für jede Situation gut gerüstet.

Du musst mir hier nicht einfach blind vertrauen. Schau dir einige YouTube Videos zu dem Thema Tarpaufbau an. Achte darauf welche Anleitungen tatsächlich nur mit 3 Abspannpunkten klappen. Und wahrscheinlich stimmst du mir dann auch zu: Mehr Abspannpunkte, mehr Spaß :-)

Welches Material ist am leichtesten?

Man hat bei Tarps verschiedene Materialien zur Auswahl. Ich habe hier die meiner Meinung nach vier wichtigsten Stoffe aufgelistet.

Baumwolle Aus Baumwolle sind hauptsächlich die Militärtarps. Baumwolle ist sehr schwer, dafür aber sehr stabil. Es ist einigermaßen feuerfest und tatsächlich auch halbwegs wasserdicht. Baumwolltarps sind gut für Lager, aber sie auf längeren Wandertouren mitzunehmen wäre wahnsinnig.

Gewebeplane Gewebeplanen gibt es in verschiedene Stärken. Von 44g/m2 bis hin zu 900g/m2 gibt es alle möglichen Abstufungen. Bei Gewebeplanen ist es allerdings schwierig Informationen zur Wasserdichte zu bekommen. Ebenfalls haben Gewebeplanen nur wenig Abspannpunkte. Dafür aber sehr billig und in jedem Baumarkt zu kriegen. Perfekt als Notlösung.

Polyester Die meisten Tarps sind aus irgendeinem Polyester. Hier gibt es ebenfalls unendlich viele Varianten und es ist schwer darüber genaue Aussagen zu treffen.

Sil-Nylon Tarps aus speziellen Sil-Nylon sind sehr leicht. Aus diesem Material kriegt man derzeit die leichtesten Tarps auf dem Markt. Oftmals auch als Ripstop Variante bei der man sich sicher sein kann, dass das Material auch einigermaßen reißfest ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass Polyester oder Sil-Nylon Tarps sich für Wanderungen am besten eignen. Welches Material du wählst beleibt dir überlassen. Teilweise gibt es sogar auch Polyester-Tarps, die leichter und günstiger als Sil-Nylon Tarps. Somit solltest du dich auch nicht zu sehr auf das Material verlassen.

Welche Farben fürs Wildzelten?

Willst du das Tarp nur auf Camping Platzen nutzen, dann kannst du dich bei der Wahl der Farbe völlig austoben. Hier ist die Farbe relativ unwichtig. Denn letztendlich versuchst du dich nicht vor anderen Menschen zu verstecken.

Solltest du längere Wanderungen planen und wild Zelten wollen, dann möchtest du wahrscheinlich nicht mitten in der Nacht von anderen Menschen gesehen werden. Denn es kann durchaus sein, dass diese anderen Menschen dich sonst wecken würden.

Damit das Tarp nicht so auffällt, wenn du es in der Nähe von Wanderwegen aufstellst, sollte es eine Farbe haben, die sich relativ gut der Umgebung anpasst. Dazu solltest du natürliche Farben wählen wie beispielsweise braun oder oliv.

Grau Töne fallen zwar auch insgesamt weniger auf. Sind aber in Waldgebieten nicht so gut getarnt wie oliv oder braun. Wenn Schnee liegt, sind sämtliche Farben eher schlecht, dann sollte man auf ein weiß ausweichen. Doch letzteres kommt doch recht selten vor.

Ideal sind natürlich Camouflage Muster. Doch diese sind dafür sehr auffällig, wenn man das Tarp dann mal auf einem Camping Platz nutzen will. Es kann gut sein, dass du dann von den anderen Besuchern seltsam angesehen wirst. Es ist ja schließlich nicht normal mit Militärausrüstung Urlaub zu machen ;-)

Somit solltest du dich also zwischen oliv, braun oder grau entscheiden, wenn du relativ unauffällig lagern möchtest.

Wieviel darf es kosten?

Es gibt selbstverständlich kein perfektes Tarp. Dementsprechend ist es immer ein Abwägen von Eigenschaften. Was ist dir wichtig?

Willst du das Tarp einfach für eine Nacht ausprobieren und weißt noch nicht, ob es dir besser gefällt als ein Zelt? Dann hol dir eine einfache günstige Baumarktplane.

Bist du dir sicher, dass du es öfter für kurze Ausflüge nutzen möchtest? Dann hol dir eine beliebiges Tarp für so um die 50€ das in etwa der obigen Beschreibung entspricht.

Willst du das leichteste Tarp, weil du längere Strecken wandern willst? Dann musst du wahrscheinlich schon mindestens 100€ dafür ausgeben.