Marvin Rabe

Brauche ich eine Bodenplane für mein Tarp?

Meine derzeitige Bodenplane wiegt zwar nur ca. 100g. Aber trotzdem frage ich mich, ob die denn wirklich notwendig ist und man nicht doch vielleicht das Gewicht sparen kann.

Eine Bodenplane schützt die Ausrüstung vor Wasser, Abnutzung und Dreck. Bei geschlossenen Zelten ist eine zusätzliche Bodenplane unnötig. Bei einem nach unten offenen Tarp aber richtig nützlich und sollte immer mit dabei sein.

In den nächsten Abschnitten beschreibe ich im Detail, wofür eine Bodenplane gut ist und welche Optionen du hast.

Warum hat man eine Bodenplane?

Anders als bei einem Zelt hat ein Tarp erstmal kein Boden. Man wird durch ein Tarp nur gegen Wind und Regen geschützt. Doch wofür brauche ich nun eine Bodenplane?

  1. Schützt die Ausrüstung Du kannst selbstverständlich deine Isomatte auch direkt auf den Boden legen. An und für sich bietet eine Bodenplane nur wenig Isolation. Allerdings kostet eine gute Isomatte einiges an Geld. Die Bodenplane ist aber meist sehr günstig. Somit schützt man durch die Bodenplane teurere Ausrüstung. Besonders in sehr steinigen Gegenden oder bei Böden auf denen viele Brombeersträucher wachsen, kann das schon einen großen Unterschied machen.
  2. Hält Feuchtigkeit und Dreck fern Wenn du in der Nacht etwas von deiner Isomatte rutscht, kann es ohne Bodenplane durchaus sein, dass dein Schlafsack feucht und dreckig wird. Es ist viel schwieriger ein Schlafsack zu reinigen. Und die Feuchtigkeit kann im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass dir in der Nacht sehr kalt wird. Aber auch beim ein- und aussteigen in deinen Schlafsack hast du so eine trockene saubere Fläche. Bereits durch das Knien auf dem Boden kann deine Kleidung oder sogar dein Schlafsack Feuchtigkeit aufnehmen. Das wird alles durch eine Bodenplane vermieden.
  3. Verringert Kondenswasser An einigen Stellen habe ich gelesen, dass Bodenplanen das Kondenswasser am Tarp reduzieren. Hauptsächlich da Bodenplanen die Feuchtigkeit unter der Plane halten. Ob es tatsächlich so ist, kann ich selbst nicht wirklich beurteilen. Generell hatte ich am Tarp sowieso immer weniger Kondenswasser als in einem völlig abgeschlossenen Zelt.
  4. Besserer Windschutz Oftmals schließt das Tarp nicht bündig mit dem Boden ab. Es bleiben immer kleine Ritzen durch denen Wind ziehen kann. Eine große Bodenplane kann da helfen in dem die Kanten von der Bodenplane diese Ritzen abdichten. Aber Vorsicht hierbei. Denn Kondenswasser, das sich in der Nacht am Tarp von Innen bildet, kann herunterfließen und sich dann auf der Bodenplane sammeln. Aber in sehr windigen kalten Nächten kann es schon den Unterschied machen.
  5. Hilft bei der Zeltplatzsuche Besonders im hügeligen Gelände kann es schwer sein einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Damit du den Platz schon im Vorfeld testen kannst (flach genug), kannst du die Bodenplane dazu nutzen schonmal probe zu liegen. So sparst du dir aufwendiges hin und her bauen des Tarps. So eine Plane lässt sich einfacher verschieben.

Wenn du allerdings sehr vorsichtig bei der Wahl deines Zeltplatzes bist, kannst du auch gut auf eine Bodenplane verzichten. Dafür sollte es trocken sein und der Boden darf keinerlei spitzen Elemente aufweisen. Das stellt sich in der Praxis aber häufig als schwierig heraus.

Achtung bei einem regulären Zelt: Bei einem regulären Zelt schafft eine zusätzliche Bodenplane zusätzliche Probleme. Es kann nämlich sein, dass sich in der Nacht zwischen Zeltboden und Bodenplane Wasser sammelt. Dadurch wird es kälter im Zelt und im schlimmsten Fall kann der Zeltboden undicht werden. Du hättest somit eine furchtbare Nacht.

Tarp ist gleichzeitig Bodenplane

Es gibt bestimmte Tarpaufbauten die es ermöglichen, dass das Tarp sowohl Dach als auch Boden ist. Somit müsse man nur das Tarp mitnehmen und kann auf die Bodenplane verzichten.

Dagegen spricht allerdings, dass Tarps meist nur eine Wassersäule von 3.000 mm haben. Wenn man auf dem Boden kniet könnte trotzdem Wasser durch das Tarp durchkommen. Zeltböden und Bodenplanen sollten mindestens eine Wassersäule von 5.000 mm haben.

Ebenfalls könnte es Probleme mit dem Kondenswasser geben. Da es nicht richtig ablaufen kann, kann es sein, dass man morgens in einer Pfütze aufwacht. Man sollte daher für ein Abfluss des Kondenswassers sorgen. Dafür reicht eine leichte Erhöhung direkt in der Nähe des Daches.

Zu guter Letzt ist noch zu erwähnen, dass das Tarp dadurch auch beschädigt werden kann. Daher sollte man sich gut überlegen, ob das Tarp auch gleichzeitig Bodenplane sein soll.

Ultraleicht: Tyvek Groundsheet

Am beliebtesten in der Ultraleicht Community sind Tyvek Groundsheets. Tyvek ist ein Material, das in den USA ungemein beliebt ist. Neu fühlt es sich an wie dickes glattes Papier und ist sehr knisterig. Nach einiger Benutzung (oder nachdem es in der Waschmaschine gewaschen wurde) wird es allerdings weicher.

Tyvek ist robust, reißfest, sehr stichfest (doppelt so stark wie schweres Zeltbodenmaterial) und hoch wasserabweisend. Und dabei auch noch relativ leicht.

Der letzte Punkt wird aber stark diskutiert. Einige schwören darauf, dass Tyvek völlig wasserabweisend ist. Andere hingegen berichten, dass Wasser durch die Plane kriecht, wenn man darauf kniet oder schwere Objekte platziert. Ich hatte noch nie Probleme.

Solltest du dich für eine Tyvek Plane entscheiden, dann achte unbedingt darauf, die Plane etwas größer zu nehmen. Denn Tyvek wird mit der Zeit (oder beim ersten Waschgang) ca. 5 % schrumpfen. Plane das also mit ein!

Kostenlose Bodenplane: Ikea-Folie

Ein Tipp aus der Ultraleicht-Community ist die Ikea-Folie. Die besteht aus einem ähnlichen Material wie Polycryo kostet aber nichts. Die kann bei Ikea aus den Abfallcontainern gefischt werden und somit kostenlos.

Polycryo ist eine hauchdünne Folie. Sie ist 100 % dicht, aber auch entsprechend empfindlich. Angeblich ist die Ikeal-Folie auch stabiler als Polycryo.

Nur im Vergleich zu Tyvek wesentlich soll Ikea-Folie bzw. Polycryo wesentlich rutschiger sein.

Die Baumarkt-Universalplane

Ich selbst benutze recht häufig eine einfache Baumarkt-Universalplane. Die Dinger sind völlig wasserfest und halbwegs robust. Du solltest nur beachten, dass die Universalplanen aus einem Gewebe bestehen das nicht stichfest ist. Spitze Objekte können immer noch durch die Universalplane durchdringen.

Diese kommt standardmäßig in den Maßen 2x3 Meter und kostet um die 5 €. Die gibt es in verschiedene Stärken. Wobei die Stärke 60g/m2 sehr häufig ist. Ebenfalls hat sie bereits Ösen, mit der man sie am Boden befestigen kann.

Natürlich muss man nicht die ganze Plane mitschleppen. Du kannst die Plane selbstverständlich auf deine benötigte Größe zurechtschneiden. Somit fällt sie vom Gewicht auch kaum auf.

Alternative Biwaksack

In kälteren Jahreszeiten habe ich immer einen Biwaksack dabei. Dieser hilft mich noch weiter vor Wind und Regen zu schützen. Besonders bei offeneren Tarpaufbauten ist dies sehr hilfreich. Außerdem lässt sich sagen, dass man durch einen Biwaksack noch zusätzliche Wärme beibehält.

Beim Biwaksack ist meistens die Unterseite wasserfest. Daher wird im Grunde keine zusätzliche Bodenplane benötigt. Somit kann man es sich eigentlich sparen.

Allerdings ist es hilfreich eine Bodenplane dabei zu haben um besonders an feuchten Tagen trocken und sauber in den Schlafsack zu kommen. Dabei liegt die Bodenplane hauptsächlich neben der Isomatte.

Natürlich ist auch ein Biwaksack teurer als eine Bodenplane. Da macht es vielleicht auch Sinn einfach nur eine Bodenplane dabei zu haben, um den Biwaksack vor Abnutzung zu schützen.

Auf die Größe kommt es an

Selbstverständlich sollte die Bodenplane so groß sein, dass deine Isomatte perfekt darauf passt. Paar Zentimeter mehr sind natürlich auch nicht verkehrt.

Wenn du deinen Rucksack nicht auf dem Boden liegen lassen möchtest, dann brauchst du noch ein wenig Platz an den Enden oder den Seiten.

Besonders wenn der Boden sehr feucht ist, ist es angenehmer noch etwas mehr trockenen Boden vor der Isomatte zu haben. Dann kann man leicht in den Schlafsack kriechen ohne viel Feuchtigkeit und Dreck mitzunehmen.

Es kann somit nicht schaden die Bodenplane etwas größer zu wählen. Aber immer noch klein genug, damit man nicht unnötig viel mit sich herumschleppen muss.