Marvin Rabe

Was ist das leichteste Material für Abspannleinen?

Wenn man mit einem Tarp unterwegs ist schleppt man auch einiges an Schnur mit sich herum. Ich habe mich gefragt, wie viel sich dort noch einsparen lässt.

Für Abspannleinen ist wichtig, dass diese dehnungsarm und bruchfest sind. Das leichteste strapazierfähigste Material ist beschichtete Dyneema Schnur. Diese wiegt je nach Variante nur um die 1,3 g/m.

Allerdings gibt es noch andere Optionen. Ich habe hier die wichtigsten Optionen aufgelistet aus denen man Auswählen kann.

Die 3 Schnüre, die ich je nach Anwendung verwende. Von links: Reepschnur, Paracord, Maurerschnur

Wofür sind Abspannleinen?

Abspannleinen sind für die Übernachtung im Tarp als auch im Zelt wichtig. Die meisten Zelte kommen bereits mit vorgefertigten Abspannleinen, die zwar ideal für den Aufbau des Zeltes sind, aber vielleicht nicht ideal vom Gewicht.

Die Abspannleinen sorgen dafür, dass selbststehende Zelte stabiler sind. Sie sorgen für zusätzlichen Schutz bei Wind um so sorglos im Zelt schlafen zu können. Einige Zelte können ohne Abspannleinen gar nicht aufgebaut werden.

Tarps werden häufig an Stöcke oder Bäumen befestigt. Da braucht man selbstverständlich auch einiges an Schnur zur Befestigung. Bei heißem Wetter kann man, anstelle das Tarp direkt mit Heringen am Boden zu befestigen, auch etwas Abstand zum Boden lassen. So hat man einiges an zusätzlicher Luftzirkulation. Damit das Tarp dann aber immer noch straff gespannt ist, braucht man wiederum Abspannleinen.

Wieso Gewicht sparen bei Abspannleinen?

Mein Tarp kam standardmäßig mit sechs Abspannleinen die jeweils 10 Gramm wiegen und 2,5 Meter lang sind. Somit hat das Material dieser Leinen ein Gewicht von 4 Gramm pro Meter. Das Gewicht, wenn man alle zusammen nimmt, beträgt somit 60 Gramm.

Wenn ich diese Abspannleinen durch eine Schnur austausche, die nur 1 g/m wiegt, dann spare ich insgesamt 45g ein. Dies ist in etwa das Gewicht einer halben Tafel Schokolade. Aber wenn man bei allen anderen Ausrüstungsgegenständen ein wenig einspart, kann man so schon einiges an Gewicht vermeiden, das man mit sich herumschleppen muss. Und mal ganz ehrlich, Gewicht für ein bisschen mehr Schokolade lohnt sich doch immer ;-) …

Ich kann mittlerweile gut abschätzen, wie viel Schnur ich so für meine Ausflüge benötige. Ich nehme standardmäßig immer vorgeschnittene Stücke in den Maßen mit: 1x10 m und 4x2 m. Bisher hatte ich immer Paracord dabei. Bei Paracord hatte ich somit immer 144 g an Schnur im Rucksack. Vor kurzem habe ich diese durch eine leichte Maurerschnur gewechselt. In den gleichen Maßen wiegt es dann nur noch 15 g. Somit spare ich 129 g. Und das ist schon einiges!

Bei dir könnte es sogar mehr sein. Wiege daher am besten einfach mal deine Schnüre und überprüfe somit, ob du dort nicht eventuell auch wie ich Gewicht einsparen könntest.

Abspannleinen sind sehr günstig, daher hält einem auch nichts davon ab die leichteste Variante zu wählen.

Welche Abspannleinen gibt es?

Nun gehe ich näher darauf ein, welche Optionen es für dich gibt.

Die angegebenen Zahlen sind halt nur als grober Vergleichswert gedacht. Natürlich gibt es bei allen Schnüren Unterschiede und auch die Wahl des Durchmessers verändert einiges an den Zahlen. Ich habe mich bemüht die populärste Option entsprechend zu wählen um so die Schnüre gut miteinander vergleichen zu können.

Reepschnüre

Reepschnur

Die Reepschnur stammt ursprünglich aus der Seefahrt. Mittlerweile sind sie auch sehr beliebt bei Kletterern.

Bei Zelten werden häufig Seile eingesetzt, die der Reepschnüre sehr ähnlich sind. Womöglich wurde bei deinem Zelt so ein ähnliches mitgeliefert. Man erfährt beim Kauf des Zeltes relativ wenig darüber aus welchem Material die Abspannleinen bestehen. Daher kann es auch irgendein schlechteres Material sein.

Oftmals verwendet man zum Abspannen Reepschnüre mit einem Durchmesser von 3 mm. Diese haben eine Bruchlast von 180 kg. Somit ist es hier wahrscheinlicher, dass eher das Material des Zeltes oder Tarps reißt als die eigentliche Schnur.

Das Material ist sehr dehnungsarm und kann somit gut zum Abspannen benutzt werden. Selbst unter starker Spannung gibt das Material nur wenig nach. Somit läuft man keine Gefahr, dass die Plane einem mitten in der Nacht auf dem Gesicht liegt.

Allerdings kann man bei einer 3 mm Reepschnur davon ausgehen, dass diese ein Gewicht von rund 6 g/m hat. Somit ist dies eine recht schwere Option. Dafür hat man allerdings ein sehr stabiles, reißfestes und sehr dehnungsarmes Seil.

Paracord

Paracord

Das Paracord (Parachute Cord, deutsch Fallschirmleine) ist besonders beliebt bei Bushcraftern aufgrund der Vielseitigkeit des Materials. Es besteht aus mehreren Nylon Fäden in der Mitte die ummantelt sind. Diese kann man für alle möglichen Shelter, Fallen und Bauten benutzen.

Die Beliebtheit des Paracords stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriege. Dort wurde diese ursprünglich als Fangleine bei amerikanischen Fallschirmen eingesetzt. Man hat aber schnell festgestellt, dass es noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten für Paracord gibt.

Am häufigsten wird das Typ III Paracord genutzt. Auch bekannt als 550er Paracord. Das heißt so, da es eine Bruchlast von 550 lbs (das sind 249 kg) hat.

Vorsicht: Es gibt Paracord, das als Paracord verkauft wird, das kein Paracord ist. Dieses ist zum Flechten von Schmuck gedacht. Es hat weniger Nylon Kerne und ist somit weniger stabil.

Allerdings dehnt sich Paracord unter Last. Ganz besonders wenn es feucht wird. Man kann damit rechnen, dass das Paracord mit der Zeit sich bis zu 30 % dehnen wird. Somit muss häufiger nachgespannt werden.

Das Gewicht ist beim Paracord am höchsten. Im Schnitt lässt sich mit 8 g/m rechnen. Somit ist es die schwerste Option. Allerdings hätte man hier ein sehr vielseitiges Seil, mit dem sich jede Survival Situation irgendwie meißten ließe (wenn man denn weiß wie).

Maurerschnur

Maurerschnur

Auf die Maurerschnur bin ich vor kurzem zufällig im Baumarkt gestoßen. Sie besteht meist aus irgendeinem Polyethylen Zeug und man hat dort auch sehr wenig Auswahl, was Farben angeht. Dafür gibt es diese Schnur in jedem Baumarkt sehr günstig.

Die Schnur, die ich besitze, hat einen Durchmesser von 1,7 mm. Was einem daran direkt auffällt ist, dass die Bruchlast davon nur bei 54 kg liegt. Sie ist somit die schwächste alle Schnüre. In der Praxis konnte ich noch keine Nachteile feststellen, da mein Zelt meist auch nicht so hoch belastet wird.

Bei dem Gewicht gibt es unterschiedliche Angaben und meine Waage ist auch nicht genau genug um es zu überprüfen. Ein großzügiges Stück der Schnur, das 10 m lang ist, wird auf meiner Waage als 8 g angezeigt. Grob geschätzt wiegt diese Schnur allerdings so zwischen 0,8 und 1,0 g/m. Sie ist daher verdammt leicht. Leichter als alle bisherigen Schnüre die ich bisher im Einsatz hatte.

Die Maurerschnur dehnt sich auch überhaupt nicht. Beim Paracord hatte ich häufig, dass dieses in der Nacht ordentlich nachgibt. Am morgen war mein Tarp dann immer schlaffer gespannt. Dies hatte ich mit der Maurerschnur noch nicht.

Eine Empfehlung, die ich im Internet zur Maurerschnur gelesen habe ist, dass man diese nicht mit eckigen Heringen verwenden sollte. Diese Heringe könnten die Schnur beschädigen, da die Kanten sich eventuell in das Material “schneiden”. Da ich nur runde Heringe habe, ist dies für mich zu vernachlässigen. Solltest du aber bei deiner Wahl mit beachten.

Dyneema

Dyneema hatte ich selbst noch nie in der Hand. Kann hier also nur die Berichte anderer Personen zusammenfassen.

Dies ist eine spezielle Schnur, die mittlerweile sehr häufig für Ultraleichtausrüstung verwendet wird. Am bekanntesten ist der Dyneema Composite Stoff. Auch bekannt als Cuben Fiber. Auch außerhalb der Wanderszene wird Dyneema aufgrund der Reißfestigkeit häufig verwendet. So sind beispielsweise einige Angelschnüre aus Dyneema.

Für den Aufbau von Zelten sollte man eine beschichtete Dyneema Schnur mit einem Durchmesser von 1,5 mm nehmen. Die Beschichtung ist wichtig, da diese zur Bruchfestigkeit beiträgt. Außerdem haben reine Dyneema Schnüre eine schlechtere Knotbarkeit und sind sehr rutschig.

Ähnlich wie bei der Maurerschnur sollte vermieden werden, die Schnur mit kantigen Heringen zu verwenden. Die Beschichtung kann dadurch abreiben, wodurch die Qualität stark nachlässt.

Die 1,5 mm Schnur hat eine Dehnbarkeit von unter 1 % und sogar eine Bruchlast von 225,4 kg. Das ist mehr als man jemals für den Aufbau von Zelten benötigt. Und dennoch beträgt das Gewicht nur 1,3 g/m. Ist somit wunderbar leicht.

Übersicht

Abschließend fasse ich die Informationen noch einmal für dich in einer Tabelle zusammen.

Material Empfohlener Umfang Dehnung Bruchlast Gewicht
Reepschnur 3 mm <1% 180 kg 6 g/m
Paracord 3 mm, Typ III 30% 249 kg 8 g/m
Dyneema 1,5 mm, beschichtet <1% 225 kg 1,3 g/m
Maurerschnur 1,7 mm <1% 54 kg 0,8 g/m

Es gibt selbstverständlich nicht die richtige Schnur. Jede Schnur hat je nach Anwendungsfall Vor- und Nachteile. Für das Ultraleichtwandern würde ich mich aber entweder für eine Dyneema oder Maurerschnur entscheiden. Damit spart man einiges an Gewicht im Vergleich zu den anderen Schnüren.